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Mein Selmer Thunderbird Twin Fifty, 3. Kapitel: Reparatur und Röhrenexperimente

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Es kruschelte und krachte und das Tremolo war plötzlich „voll Stoff“ auf beiden Kanälen, dass es die Lautsprechermembranen nur so hin und her haute!

Nach Faustschlägen und Aus- und Einschalten war es wieder ok, aber ein Lautsprecher kratzte leicht – ich stellte das Mikro halt vor den anderen – und blieb über den Gig stabil.

Ich interpretierte das als Warnschuss und schleppte ihn in die Werkstatt, meine verständnisvollen Reparaturkunden musste ich vertrösten...

Die 6BR8 war mikrofonisch. Nun wird ihre Triode in Kanal 1 zum Aufholen nach der Klangregelung, und ihre Pentode in Kanal 2 für das Tremolo (Modulation der Schirmgitterspannung) benutzt. Ich ging also davon aus, dass extremes Übersprechen oder auch ein Schluss innerhalb der Röhre zum beschriebenen Tremolodefekt geführt hatte. Zum Glück hatte ich mir kurz vorher von einem befreundeten „Röhrenfreak“ (er repariert hauptsächlich in Portugal Röhrenamps und kann dir von praktisch jeder Röhre nur durch Anschauen sagen, wo sie herkommT, wann sie gebaut wurde und welche Grenzwerte und „Sweetspot“ sie hat...) drei Exemplare dieses seltenen Typs besorgen lassen, so dass ich die leiseste heraussuchen konnte.

Die erste Vorstufenröhre (V1), die E83CC von JJ hatte ich der Zuverlässigkeit halber eingebaut, ersetzte ich nach einiger Röhrenstöpselei durch eine alte VALVO mit langen Anodenblechen. Die sind zwar dafür bekannt, dass sie leicht mikrofonisch sind, was hier egal ist, der Amp ist nun wirklich kein High-Gain-Bolide, aber auch für ihren warmen Klang. Sie werden gerne als Treiberröhre in der Endstufe genommen, und ich bevorzuge sie oder ihr JJ-Pendant im gleichspannungsgekoppelten Kathodenfolger vor dem Tonestack vieler Verstärker, weil ich meine, dass sie den Ton wärmer macht. Also, was soll ich sagen, irgendetwas hatte mich an der JJ gestört (etwas harsch vielleicht?), das war hier nicht, alles „rund“, also blieb sie.

Die alte BRIMAR ECC81 aus dem Halltreiber und der Addition der beiden Kanäle auf dem Weg zur Phasenumkehrstufe war auch etwas mikrofonisch und „am Singen“. Ich suchte aus meinen alten VALVOs, ich wollte jetzt aus Prinzip keine andere, die leiseste heraus. Das Singen ist weg, um den Klangvergleich habe ich mich gedrückt. Außerdem - wenn du zuviele Parameter gleichzeitig änderst, weißt du hinterher garnichts mehr!

Genauso in der Treiberstufe, da blieb die uralte MULLARD, da rappelte nichts, und ich traute ihr einfach noch. Auch wenn Mancher sagt, man solle mit den Endröhren auch gleich die Phasenumkehrröhre ersetzen...

Ein G12H Lautsprecher kratzte dann doch vernehmlich. Auch beim vorsichtigen Hin- und Herdrücken der Membran mit den Fingern, ich hatte noch einen 16 Ohm Cannabis Rex – britisch-amerikanische Zusammenarbeit - funktioniert hier gut, bis der alte repariert ist. Dann hänge ich das Mikro eben vor den Cannabis, dann ist es auf der PA nicht so giftig...

Die Gleichrichterröhre: Drin war,warum auch immer, eine aus China. Eine neue JJ klang irgendwie klarer, transparenter. Bis ich die alte VALVO einsetzte. Dagegen war die JJ igendwo unangenehm. „Das Bessere ist der Feind des Guten“ - ich habe mehrfach hin und her gesteckt, ich weiß nicht wieso genau mir was unangenehm war, jedenfalls wurde es die alte VALVO.

Die alten TELEFUNKEN EL34 rumpelten kräftig beim Anklopfen – also raus damit. Obwohl die Ruheströme noch gut waren, aber Gerumpel geht garnicht!

 Ich hatte noch ein paar MULLARDs, die wollte ich testen. Ich musste die Gittervorspannung gewaltig positiver machen als vorher (neue Vorwiderstände bei der Erzeugung) um einen ordentlichen Ruhestrom zu erreichen,wurde aber nicht skeptisch. Die Hörprobe brachte es dann – die Kiste war total leise! Der Marshall Vintage-Modern in meiner Schallkabine machte sie platt!

Nur noch gefühlte 10Watt!

Also waren dieTeile wohl "ausgelutscht", obwohl vorher noch auf genügend Emission getestet, oder hatte ich sie falsch beschriftet? Egal! Zu leise!

Es gab da noch ein Paar teure RSD, die mir der „Portugiese“ schon lange zum Test ans Herz gelegt hatte. Rein damit. Vorwiderstände zurückgebaut, 33mA eingestellt – Mann! Waren die laut! Und hammermäßig knackig und transparent im Bass. Kein Wunder, dass die was kosten! Sind ja auch selten...Jetzt war der Marshall „platt“, ich hatte keine Angst mehr, in Bonn nicht „durchzukommen“(wurde auch ordentlich unter Beweis gestellt, Volker war schwer am Meckern..so geht "brachial"). Und trotzdem - auch schön warm clean!

Jetzt noch eine Buchse in die Rückwand eingebaut, damit ich den Combo zur Not als Box einsetzen kann, wenn ich das Treble 'n Bass Top als Backup mitnehme, und „gut is“. Zum Glück sind die Lautsprecher mit einem Stecker an der Endstufe angeschlossen, den brauche ich dann nur zu ziehen, das spart die Schaltbuchse, und ich kann sie noch gleich als Ausgang benutzen für noch mehr Lautsprecher!

Nachtrag: Kommt bitte nicht auf die Idee, einen Combo als Box zu benutzen, wenn der interne Lautsprecher noch an der Buchse angeschlossen ist! Der Ausgangstrafo ist in dem Fall wie ein Kurzschluss mit den bekannten Folgen.

 

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